 - Hildgarde Lisse hat einige Leserbriefe geschrieben
Leserbrief
betr: Klinikum erholt sich und sein senkt sein Defizit
Die Erfolgsmeldung des Klinikums über die erfolgreiche Sanierung bedarf des Hinterfragens:
Wie ist denn diese Sanierung zustande gekommen? Doch wohl hauptsächlich auf dem Rücken der Bediensteten, der Pfleger und Pflegerinnen, Die Arbeitsbedingen im Gesundheitswesen sind katastrophal, die Arbeitsbelastungen steigen ständig, insbesondere auch hier in Aachen. Insgesamt sind in den letzten Jahren massiv Stellen abgebaut worden. Das bedeutet: mehr Arbeit, mehr Stress, mehr Belastungen des Pflegepersonals und immer weniger Zeit für eine ausreichende Zuwendung an die Patienten über die reine Pflege hinaus.
Überstunden werden in großer Zahl mehr und mehr geschoben, wenn sie angeordnet sind, werden sie bezahlt, Mehrstunden jedoch nicht. Auch das „ aus der Freizeit holen“, d.h. dass, wenn Pflegekräfte wg. eines unvorhergesehenen Ausfalls ihre Arbeit nicht mehr schaffen können, rufen sie Kollegen in deren Freizeit an und bitten um Hilfe. Die Kollegen leisten diese Hilfe, sie wird aber nicht bezahlt, denn: Dienstplan ist Dienstplan! Die Folgen :
Überlastungsanzeigen des Pflegepersonals gehen mehr und mehr ein, dies wird zur Kenntnis genommen , jedoch kein neues Personal eingestellt. 92 % klagen über Erschöpfungszustände 62 % kommen krank zur Arbeit, 67 % glauben nicht, dass sie bis zur Rente durchhalten können Stetig drohende Privatisierung von besonderen Leistungen werden die Qualität verschlechtern und haben verheerende Auswirkungen auf das betroffene Personal, dem damit vielfach Hungerlöhne drohen.
Vor diesem Hintergrund ist die stolze Verkündung der Sanierung des Klinikums eine Verhöhnung derjenigen, die wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen habenl Aachen,den 14.1.12 ; erschienen AN 23.1.2012
Leserbrief
Betr.: Abschiebung des Roma Mädchens
Pfui – wenn sich Verantwortliche der Städteregion auf den Hinweis äußern, der Landesinnenminister habe Winterabschiebungen von Frauen in den Kosovo ausgesetzt: dieses Mädchen sei ja nicht in den Kosovo, sondern nach Bosnien abgeschoben worden!
Pfui – wenn gesetzliche Vorgaben höher angesetzt werden als Menschenrechte. Eine sowieso traumatisierte Familie auseinander zu reißen; das geht wohl so: jedes Jahr, wenn ein Kind dieser Familie großjährig wird, muss es raus. Was gelten da noch Werte wie Familie, die ansonsten doch so hochgehalten werden. Gilt Familie nicht, wenn es sich um Roma handelt?
Pfui – wenn billigend in Kauf genommen wird, dass ein junges Mädchen hilflos dorthin geschickt wird, wo es niemanden kennt. Gibt es dort z .B. eine Bahnhofsmission, so wie unsere hier, die so unglaublich gute Arbeit leistet? Aber es gibt Wohlfahrtsorganisationen dort, die sich für nicht zuständig erachten! Jeder von uns weiß, welchen Gefahren Frauen und Mädchen auf allen Bahnhöfen dieser Welt ausgesetzt sein können!
Pfui – wenn die Leute, die eine solche menschenverachtende Aktion durchführen, in der Weihnachtszeit dann noch das Wort Nächstenliebe, Weihnachtsfrieden usw. in den Mund nehmen.
Hildgarde Lisse , veröffentlicht AN 21 12 2012
Leserbrief
Die erstaunte Empörung über Terror von Rechts, den es ja eigentlich nicht geben durfte, bzw nicht gegeben haben durfte, ( nicht sein kann was nicht sein darf ) verwirrt und deprimiert die Menschen, die sich jahre- ja jahrzehntelang gegen Neofaschismus engagiert und aufgelehnt haben.
Alle Warnungen : der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch; alle Versuche, diesen Leuten die Möglichkeit zu nehmen, ihre verbrecherischen Ideen und Meinungen auch noch mit Zustimmung der Staatsgewalt auf Demos und Kundgebungen zu verbreiten, alle Aufrufe. Demos, Sitzblockaden ; alles vergeblich. Scheinbar ungehindert haben sich diese braunen Zellen gebildet und ebenfalls ungehindert getötet, gebrannt und gehetzt. Und die, die dies verhindern sollen, nämlich die sog. Dienste, sind wohl augenscheinlich tatsächlich auf dem rechten Auge blind.
Ich denke, dass ich mitreden kann. Ich habe die Nazizeit erlebt. Ich habe erlebt, wie Freunde meiner Eltern verschwanden, weil sie Juden waren, ich habe erlebt, dass sie meinen Jugendfreund im KZ so vernichtet haben, dass er eine Weile nach dem Krieg nicht weiterleben wollte und konnte.
Als junge Frau habe ich meinem Mann das Buch über Anne Frank von Ernst Schnabel ¨Spur eines Kindes“ geschenkt und hineingeschrieben: „…. dass dies nicht wieder passieren kann“. Mein Mann lächelte und meinte: „Mach Dir mal keine Sorgen, die Zeiten sind vorbei, die Braunen kommen nie wieder!“
Er hat Unrecht behalten und ich Recht. Darüber bin ich sehr traurig. Und sehr wütend, dass ein lebenslanger Kampf gegen neue Nazis so wenig gebracht hat.
Aachen, den 17.11.2011/ veröffentlicht 21.11.2011 gekürzt
Leserbrief
Betr.: AN v. 29.10.2011, Seite 23 , KURZ NOTIERT , HRE korrigiert ihre Schulden nach unten
Die ganzen Irrungen, Wirren und Maßnahmen bezüglich der Euro-Schulden-Krise sind inzwischen derart kompliziert, dass Otto Normalbürger nur noch schwerlich versteht, was da eigentlich in seinem Namen geschieht und er hofft, dass er darauf vertrauen kann, dass es sich zum Guten wendet.
Die Tatsache, dass die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate HRE, sich augenscheinlich sich bei der Errechnung ihrer Schulden um ca 55 Milliarden zu ihren Gunsten, d.h. zu Gunsten der Bundesrepublik Deutschland verrechnet hat, wirft doch die Frage auf: wissen die Leute, die uns regieren, eigentlich, was sie tun? Vertrauensbildend ist so etwas sicherlich nicht. Und evt. gefährlich obendrein.
Aachen, den 29.10.2011; veröffentlicht in den AN 5.11.2011
Leserbrief
Betr.: AN 27.8.2011, Familie :
„ Der Ranzen ist das Statussymbol des Schulhofs“
Alle wohlgemeinten Ratschläge, den Konsumterror schon 6-jähriger irgendwie zu unterbrechen und auf was auch für günstigere und originellere Modelle umzusteigen, geht doch völlig an der deutschen Wirklichkeit vorbei.
Vergessen werden bei diesen Überlegungen völlig die Tausende und Abertausende Kinder von ALG II oder Sozialhilfe Beziehern, die nur dann an einen Schulranzen kommen können, wenn sie auf Spenden gebrauchter Teile zurückgreifen können.
Da steht so ein kleiner i – Dotz mit seinem mit Gebrauchsspuren behafteten und evt. auch noch gänzlich unmodernen ( wie uncool) Ranzen an seinem ersten Schultag auf dem Schulhof neben Kindern mit den Ferraris unter den Ranzen auf dem Rücken.
Damit ist doch schon die Einteilung in coole und uncoole Kinder, in „Wir da oben, die da unten“ vorgenommen und zukünftigem mobbing der Weg bereitet.
Es muss und kann andere Wege geben. Der, den ärmeren Teil der Kinder bereits durch die Qualität ihrer Schulranzen auszugrenzen, ist sicherlich der falsche.
Hildgarde Lisse, den 29.8.2011, veröffehtlicht am 2.9.2011 in de AN
Leserbrief
Betr.: Der Leserbrief in Ihrer Zeitung: „ keine Vollkaskoversicherung gegen Widrigkeiten des Lebens von Herrn Axel Feldmann heute 27.6. 2011-06-27
Sehr geehrte Damen und Herren,
zu og. Leserbrief habe ich nun meinerseits einen Leserbrief geschrieben und bitte Sie, ihn in Ihrem Blatt zu veröffentlichen.
Zu der Aussage: Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, jeden einzelnen Bürger vor den Folgen seiner eigenen Dummheit, Faulheit, Langsamkeit oder ähnlichem zu schützen, fallen mir einige Fragen ein:
Von wem sprechen wir hier:
Von denen, die aufgrund dessen ihren Arbeitsplatz verloren haben, weil die Arbeitnehmerrechte per Gesetz eingeschränkt wurden? Deren Arbeitsplätze wegrationalisiert wurden, weil der Arbeitgeber größere Gewinne machen wollte oder aus Gründen des Shareholder Values ? D.h. Aktienkurse müssen steigen, auch wenn diejenigen, die dafür schaffen, ärmer werden.
Sprechen wir von denen, die zu Löhnen arbeiten, die ihren Lebensunterhalt nicht sichern und die dadurch zu sog Aufstockern werden und damit auf den „Selbstbedienungsladen für alle“ zugreifen müssen?
Sprechen wir von denen, die aufgrund jahrzehntelanger , ja jahrhundertelanger miserabler Bildungspolitik konsequent davon ausgeschlossen wurden, nach oben zu kommen? Bitte jetzt nicht das Beispiel vom Tellerwäscher, der Millionär geworden ist.
Lasst uns sprechen von den Arbeitnehmern, die 20, 30 oder 40 Jahre treu und redlich ihre Abgaben geleistet haben, einen Vertrag z.B. mit der Arbeitslosenversicherung hatten und erleben mussten, dass dieser Vertrag einseitig aufgekündigt wurde. Die nunmehr just genau so viel Transferleistung erhalten wie jemand, der noch nie einen Pfennig / Cent eingezahlt hat. Aufgekündigt wurde übrigens auch der Vertrag zur gesetzlichen Rentenversicherung.
Lasst uns sprechen von Behinderten, Benachteiligten, Langsamen, für die der Staat und wir alle sorgen müssen. Die Qualität eines Gemeinwesens kann man daran erkennen, wie es mit seinen schwachen Mitglieder umgeht.
an AN gesandt 27.6.2011, veröffentlicht AN 22.7.2011, ungekürzt
Leserbrief
Mit Staunen erleben wir Bundesbürger eine besondere Posse, die erheitern könnte, wenn es nicht so traurig wäre!
Der Bundesvorsitzende der FDP wird von seiner Partei in die Wüste geschickt wg. mangelnder Leitung und mangelndem fortune.
Die Bedingung seines Abgangs ist, dass er Außenminister bleiben darf!
Und hier würde es eigentlich heiter: Jemand, der den Ansprüchen einer Partei nicht mehr gerecht wird, wird aber immer noch für qualifiziert genug gehalten, das wichtiges Ministeramt mit der größten Außenwirkung , nämlich das Ministerium des Äußeren, weiter zu verwalten.
Der Außenminister vertritt die Bundesrepublik auf dem internationalen Parkett, und da ist der Beste gerade gut genug, siehe Willy Brandt oder Hans-Dieter Genscher. Ob ein abgehalfterter Parteivorsitzender, zudem in vielen Dingen beratungsresistent, diesen Anforderungen genügt, wage ich zu bezweifeln
erschienen am 16.5.2011 in denAN
Leserbrief
zur Quote für Frauen
Zu meiner Verblüffung lese ich, dass wir gar keine Frauenquote brauchen, weil ja jedes Geschlecht seine eigenen Qualitäten habe.
So weit richtig, aber nicht nur jedes Geschlecht hat seine besonderen Qualitäten, sondern auch jeder einzelne Mensch!
Aber die spezifischen Qualitäten der Frauen dürfen nicht dazu herhalten, ihnen den Aufstieg in hohe und höchste Ämter so schwer zu machen.
Diese Diskussion erinnert an diejenige, die wir schon einmal hatten, als die Einführung von Quoten für Frauen erstmals im Gespräch waren, Damals war deutlich zu merken: ein großer Teil der Männer hatte einfach Angst, dass die Frauen ihnen etwas wegnehmen könnten.
Und in der Tat so ist es gekommen, aber nicht, dass blindlings minderqualifizierte Frauen gegen hochqualifizierte Männer eingetauscht wurden.
Vielmehr gilt und galt: bei gleicher Qualifikation werden Frauen so lange bevorzugt, bis ihre Präsenz im Amt, in der Partei, im Vorstand usw. ihrer Zahl in der Gesellschaft entspricht.
Das ist nicht einfach, und ohne gesetzliche Verpflichtung wird es nicht gehen. Schaut man sich die Bilder an von Aufsichtsräten, internationalen Konferenzen usw., so sieht man höchstens einmal ein oder zwei Frauen, die sog. Alibifrauen. Das darf nicht so sein.
Will diese Gesellschaft noch lange dieses ungeheure Kapital hochqualifizierter Menschen außer Auch lassen, nur weil sie Frauen sind?
Hildgarde Lisse, Aachen, den 8.3.2011 am Intern. Frauentag, veröffentlich in den AN am 16.3.2011
Leserbrief
Betr.: Leserbrief von Franz Geisel v. 9.11.2010
„Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“! Sicher kann mir eine solche Aussage von Herrn Geisel nicht gefallen, aber ehe ich mir darüber ein Urteil erlaube, möchte ich mich doch bei Kennern oder Kennerinnen des islamischen Glaubens über die Wesensinhalte dieser Aussage informieren.
Wer sich jedoch über die Stellung der Frau im Koran äußert, sollte nie vergessen, welche erbärmliche Rolle die Frau in der katholischen Kirche und ihrer Lehre gespielt hat. Eine Rolle, die bis in die heutige Zeit reicht: siehe gar manche Äußerung des amtierenden Papstes z.B. zum Selbstbestimmungsrecht der Frau.
Die Frauenverachtung in der katholischen Kirche ist alt, schon im 2. Jahrhundert erscheint die Frau nur noch als fleischliches, niedriges, den Mann verführendes Geschöpf, sie ist Eva, die Sünderin schlechthin. Der Kirchenvater Tertullian macht das Weib zur „ Einfallspforte des Teufels“. Man ging in dieser Zeit sogar so weit, dass man versuchte, den Besuch des Gottesdienstes zu verbieten. Allerdings setzte sich dies nicht durch, jedoch befahl die Kirche : „ Liebe die Frauen bei den heiligen Feiern, aber hasse sie beim privaten Zusammensein“. Diese verachtete Stellung der Frauen in der katholischen Kirche zieht sich durch die Jahrhunderte und bewirkte, dass Frauen, als Hexen verschrien und praktisch aller Menschenrechte beraubt, überproportional der Inquisition zum Opfer fielen. Kirchenlehrer wie Augustinus, Albertus Magnus, Thomas von Aquin u.a. verdächtigten im überwiegendem Maße das weibliche Geschlecht: „Denn die Frau, bekanntlich schon von der antiken Kirche stark herabgesetzt, sei nicht nur dümmer und unverständiger, sondern besitze auch den geringeren Glauben“. Die Frau sei fleischlicher gesinnt, ja, die hochgeachteten Kirchenlehrer erklärten mit Zustimmung des Papstes rundheraus, dass das Weib nur ein unvollkommenes Tier sei. Bis heute dürfen Frauen nicht Priester werden, und erst seit dem II. Vatikanischen Konzil dürfen sie als Laien gewisse Funktionen z.B. bei der Messe ausüben.
Den Umgang der katholischen Kirche mit den Frauen könnte man stundenlang und seitenweise dokumentieren. Auf jeden Fall sollte man sich jedoch enthalten, ungeprüft über andere Religionen den Stab zu brechen, ehe man sich wirklich sachkundig gemacht hat.
Hildgarde Lisse, Aachen, den 10.11.2010 veröffentlicht in den AN
Leserbrief zum Thema Sarrazin
Über die menschenverachtenden Äußerungen Sarrazins zu Religionsgemeinschaften, genetischer Identität von Juden und Ethnien hat er noch einen weiteren Punkt angesprochen, der m.E. schon an sich Grund genug sein müsste, ihn aus seinem Amt und aus der SPD zu entfernen.Er schreibt in seinem Buch, dass Intelligenz und ebenso nicht vorhandene Intelligenz wesentlich vererbbar seien. Daraus schließt er:: Deutschland werde im Durchschnitt dümmer, da vor allem die bildungsfernen Bevölkerungsgruppen in unserem Land Kinder bekämen. Als Lösung schlägt er dann unter anderem vor: Eine Wurfprämie von 50 000 Euro für junge Akademikerinnen, die ein Kind bekommen. Eine solche Einteilung von Menschen nach ihrer Nützlichkeit ist menschenverachtend und im Grunde faschistisch. So weit waren wir schon einmal, damals ging es um Reinhaltung der „ Rasse“, um die Züchtung erbgesunder Nachkommen, blond, flink wie Windhunde, zäh wie Kruppstahl.Soll es nach Sarrazin nun um blond und hochintelligent gehen? Alle Menschen sind gleich viel wert. Das ist leicht in unserem Grundgesetz nachzulesen nach dem es keine wertvollen und weniger wertvollen Menschen gibt, siehe Art. 1 Schutz der Menschenwürde „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und Art. 3. Gleichheit vor dem Gesetz: „Niemand darf weg. seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens……benachteiligt oder bevorzugt werden“.Wer so etwas behauptet wie Herr Sarrazin, hat sich selbst aus unserer Wertegemeinschaft ausgeschlossen und hat damit auch die Folgen seines Tuns und Redens zu tragen.
Hildgarde Lisse, 6.8.2010; erschienen in den AN 9.9.2010
Betr. Ratsbeschluss, keinen Sachkundigen Bürger der Geh-und Sehbehinderten in den Mobilitätsausschuss zuzulassen
Leserbrief
von Hildgarde Lisse, 10.7.2010
.Ich war schon ziemlich erschüttert, als ich gelesen habe, dass die Mehrheit von CDU ( das C steht für christlich!) und Grünen, die Einbindung eines Sachkundigen Bürgers in den Mobilitätsausschuss verworfen hat.
In diesem Ausschuss sind jede Menge sachkundige Gruppen, die sich in irgendeiner Form in Aachen bewegen. Nur die Belange der Geh- und Sehbehinderten, vertreten durch die Kommission Barrierefreies Wohnen werden ausgeschlossen. Und ich würde mal sagen, dass die Zahl der Behinderten oder eingeschränkt bewegungsfähigen Mitbürger und Mitbürgerinnen gar nicht so klein ist, keine quantitè negligable.
Ich selbst bin schwer gehbehindert und merke jetzt erst so richtig, wie schwierig es ist, überall in der Stadt hinzukommen. Als ich noch flott zu Fuß war, habe ich das nicht so bemerkt, ja auch nicht bemerken können. Wie wollen diese Mehrheitsstrategen im Mobilitätsausschuss diese Schwierigkeiten beurteilen können?
Schaffen Sie ruhig einen Präzedenzfall zu Gunsten der Schwächeren in dieser Gesellschaft, vor dem ADAC und seiner Forderung, ebenfalls im Ausschuss vertreten zu sein, würde ich mich nicht fürchten! Der ADAC ist nicht schwach und weiß seine Interessen durchaus kräftig zu vertreten.
erschienen AN 16.7.2010, leicht gekürzt
Leserbrief
am 4.5.2010 in den AN : Durfte Thierse sitzen bleiben ?
Durfte Thierse sitzen bleiben? Ja, sicherlich durfte er sitzen bleiben, ja , er musste sogar sitzen bleiben.! Denn seine Blockade richtete sich nicht, wie er deutlich machte, gegen die Polizei, sondern gegen den Aufmarsch von ca 1000 Neonazis, die meinten, ihre widerlichen, menschenverachtenden und verfassungsfeindlichen Parolen in einem Umzug ans Berliner Volk bringen zu müssen.
Wenn es schon so ist, dass unsere Gesetze solche Naziaufmärsche nicht verhindern können, so ist es Bürgerpflicht, dies auf friedliche Weise zu verhindern.
Und ich kann mir nicht vorstellen, was friedlicher ist als eine Sitzblockade. Und ich kann mir nicht vorstellen, wie es dem Ansehen unseres Parlamentes und seiner Parlamentarier schaden könnte, wenn sich der Vizepräsident in die gewaltfreie Verhindererszene einreiht Hut ab und Dank an Wolfgang Thierse!
Hildgarde Lisse
Leserbrief
Betr.: Berichterstattung über die Schließung des Sozialkaufhauses in Stolberg
Kann es wirklich so sein, dass auf der einen Seite im Rahmen eines sog. Wachstumgsbeschleunigungsgesetzes die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen gesenkt wird, auf der anderen Seite von der gleichen Bundesregierung die Zuschüsse für Arbeitsmarktpolitik eingefroren werden mit einer Haushaltssperre?
Wenn ein Sozialkaufhaus geschlossen wird wie nun das der WABe in Stolberg, was bedeutet das? Das bedeutet, dass wieder einmal an den Ärmsten der Armen gespart wird.
Wenn 17 von 28 fest angestellten Mitarbeitern gehen müssen, so werden sie, die überwiegend selbst aus dem Kreis der Langzeitarbeitslosen stammen, wieder arbeits- und perspektivlos.
Wenn die Anleiter in den Werkstätten, in denen Langzeitarbeitslose und schwer vermittelbare Arbeitslose angeleitet und ausgebildet werden, nicht mehr da sind, werden diese geschlossen werden müssen und auch für diese Betroffenen ist jede weitere Perspektive vorbei.
Und wenn es heißt, im Bedarfssatz für Hartz IV Empfänger sei der Bekleidungszuschuss beinhaltet, und diese dann ermuntert werden, ihren Bekleidungsbedarf in Sozialkaufhäusern mit gebrauchten Sachen zu decken, dann mutete es schon zynisch an, wenn aufgrund von Sparmaßnahmen ausgerechnet diese preiswerten Anschaffungsmöglichkeiten geschlossen werden.
Eigentlich kann das alles nicht wahr sein.
Aachen 30.3.2010, veröffentlicht 6.4.2010
Leserbrief
von Hildgarde Lisse, 26.10.2009
betr.: Veröffentlichungen über ¨130 Jahre Kaufhof“
Stolz verkündet die Kaufhof AG, dass sie, in diesem Jahr 130 Jahre lange besteht und dass das gefeiert werden soll.
Nun freue ich mich, wenn es dem Kaufhof gut geht, weil es dann auch den Mitarbeitern/innen gut geht im Gegensatz z.B. denen von Quelle.
Aber 130 Jahre Kaufhof ist ja nun so nicht ganz richtig, vielmehr ist das sehr geschönt, eigentlich unverschämt geschönt.
Denn gegründet wurde die damals Westdeutsche Kaufhof AG am 11. Juli 1933. Vordem hieß sie Leonhard Tietz AG und war ein sog. „ jüdisches Großkaufhaus“.
Am 31.7.1933 erschien in der Aachener Zeitung“ Echo der Gegenwart“ eine Anzeige, aus der hervorgeht, dass sich die Besitzverhältnisse der Leonhard Tietz AG grundlegend geändert hätten, und dass Maßnahmen eingeleitet wurden, die die Angleichung der Betriebsführung an die Grundsätze nationaler Wirtschaftsführung erstreben würden. Zudem sei eine Umbenennung in „Westdeutsche Kaufhof AG“ erfolgt.
Dies war schlicht und ergreifend die „Arisierung“ der Tietz AG, kurzum Diebstahl! Die jüdischen Eigner waren, wie überall in Deutschland ohne viel Federlesens gezwungen worden, ihre Betriebe abzugeben. Dazu war den Nationalsozialisten jedes Mittel recht, um Druck auszuüben und Angst einzujagen. Sodass die Eigner, deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens alles taten, um noch irgendwie davon zu kommen.
Was mit den Eignern in diesem Fall geschehen ist, ob sie noch davon gekommen sind und ins Exil konnten, oder ob sie in Auschwitz oder ähnlichen Orten vergast worden sind, entzieht sich meiner Kenntnis.
Es wäre jedoch m.E. das mindeste an Anstand seitens des Kaufhofes zu erwarten, dieses traurige Kapitel seiner Geschichte gebührend zu würdigen.
Übrigens: die Öcher hatten nach 1933 mit dem Kaufhof nichts am Hut. Bis zum Kriegsende erinnere ich mich deutlich, dass es zum „Tietz“ ging, wenn es etwas zu kaufen gab. Ich war ein Kind damals und den Namen Kaufhof in diesem Zusammenhang habe ich erstmals gehört mit der Neueröffnung des im Krieg ausgebrannten Kaufhauses.
veröffentlicht in den AN v. 5.11.2009
Betr. AN 26.6.2009 Seite 1
„Alleinerziehend: Hartz IV wird vielen zur Falle
Es ist schon wahr und bedrückend, dass Alleinerziehende, mehrheitlich Frauen, so massiv von Armut bedroht sind.
D.h. 40 % der allein erziehenden Mütter leben mit ihren Kindern in Armut und haben praktisch kaum eine Möglichkeit, sich daraus zu befreien. Über die Folgen für die betroffenen Kinder darf man überhaupt nicht nachdenken!
Der wirkliche Skandal ist jedoch, dass diese Kinder doppelt arm sind. Denn: das ihnen zustehende Kindergeld wird als Einkommen angerechnet und vom Bedarfssatz abgezogen. Das ist festgeschriebene Armut!
Das Kindergeld steht nur Kindern zur Verfügung, die nicht von Transferleistungen leben, also die Kinder aller Arbeitnehmer/ innen, von Beamten, von Ärzten, Rechtsanwälten, Managern usw. Bei diesen wird es nicht einmal bei der Einkommensteuererklärung als Einkommen angerechnet.
Aachen, den 26.6.2009, veröffentlicht AN 29.6.2009
Betr.: Kritik an der Rentengarantie der Bundesregierung
Die Kritik an der von Minister Olav Scholz, SPD, durchgesetzten Rentengarantie, d.h. zukünftig keine Rentenkürzungen, ist für mich unverständlich.
Es darf nicht vergessen werden, dass im letzten Jahrzehnt die gesetzlichen Renten durch zu geringe Erhöhungen, Nullrunden und Inflation ziemlich genau 10 Prozent an Kaufkraft verloren haben. Die werden so schnell nicht aufgeholt, wenn überhaupt. Dann noch an evt. zukünftige Kürzungen zu denken, ist schon abenteuerlich.
Zu behaupten, es gäbe keine Altersarmut ist kühn und ein Schlag ins Gesicht all derer, zumeist Frauen, die Renten von so geringer Höhe haben, dass sie auf die Grundsicherung angewiesen sind. Diese ist gleich der Höhe der Sozialhilfe und das ist Armut!
Sicherlich gibt es sehr viele, sehr gut ausgestattete Rentner und Pensionäre, aber das kann man doch nicht so deuten, es gäbe keine Altersarmut. Auch ist es töricht, Kinder-und Familenarmut gegen evt. Altersarmut aufzurechnen.
Die Qualität einer Kultur kann man daran erkennen, wie sie mit ihren Alten und Schwachen umgeht.
Hildgarde Lisse, 7.5.2009, veröffentlicht in den AN v. 11.5.2009
Leserbrief v. 5.4.2008
Betr.:Kommentar in den AN v. l5.4.2008 : Die Rentenerhöhung ist blanker Populismus, Ein teures Wahlgeschenk
Der Aussage, den deutschen Rentnern ginge es sehr gut, ja es ginge ihnen besser denn jemals zuvor, muss ich nicht nur widersprechen, sondern ich empfinde ihn als eine Beleidigung der älteren Generation.
Sicherlich ist es, rein rechnerisch, richtig, dass das Durchschnittseinkommen der Rentner Ca 2500 € beträgt. In dieser Rechnung steckt jedoch ein atemberaubender Zynismus. Denn in diesem Durchschnittsbetrag sind alle Renten und Pensionen eingerechnet, auch die der Minister, die der hohen Beamten, der Alt-Bundeskanzler und der früheren Einkommensmillionäre, die heute dementsprechende Altersbezüge haben.
Was nutzen solche, ruhig stellen sollende, Berechnungen den Kleinrentnern, die es immer noch in großer Zahl gibt und insbesondere bei den Frauen. Die Zahl derer, die Grundsicherung erhalten wegen zu niedriger Alterseinkünfte, wäre leicht feststellbar. Schwierig wird es jedoch bei denen, die leicht oder mehr oder weniger wesentlich über diesem Grundbetrag liegen und für die im Alter ebenfalls nichts mehr geht, aber auch gar nichts mehr. Denn, die Pfändungsgrenze beträgt in Deutschland € 950,--, d.h. auch Menschen, die über der Grundsicherung von € 638,-- liegen sind bis zu diesem Betrag arm. Und darüber hinaus sind sie auch noch lange nicht sorgenfrei.
Diese Menschen zu vernachlässigen und sie in die euphorische Berechnung der Durchschnittsrente einzubeziehen mit dem Ziel eine Rentenhörung für nicht notwendig zu erklären, ist m.E. menschenverachtend. Dazu kommt ja auch noch, dass die Renten seit Jahren durch Nichterhöhung, Inflation, Mehrwert- steuererhöhung, Gesundheitsreform und höhere Beteiligung bei der Pflegeversicherung rund 10 % ihrer Kaufkraft verloren haben. Dagegen ist die Erhöhung von 1,1 % ein Witz.
Solange, wie jetzt wieder, Renten prozentual erhöht werden, klafft die Schere zwischen Kleinrentnern und Rentnern mit guter Versorgung immer weiter auseinander. Die Lösung wäre: Die kleinen Renten müssen stärker angehoben werden! Nur so könnte man der Altersarmut Einhalt gebieten.
Leserbrief
Betr.: Anrechnung der Riester - Rente auf Grundsicherung
Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass vor der Gewährung von sozialen staatlichen Unterstützungen, und dazu gehören sowohl Sozialhilfe, wie ALG II und Grund-sicherung im Alter oder bei Behinderung, zunächst einmal des Einkommen der Betroffenen festgestellt und herangezogen wird.
Ein Skandal ist es jedoch, dass die Zahlungen aus der Riester-Rente, die insbesondere die Menschen mit geringen Einkommen sich durch ihre Einzahlungen sozusagen vom Munde abgespart haben und das Kindergeld als Einkommen verrechnet werden.
Wer heute schon aufgrund der geänderten Rentengesetze und der freundlicherweise ja immer zugesandten Voraussagen über die zukünftige Rentenhöhe erkennen kann, dass er eine Rente unter Grundsicherungsniveau zu erwarten hat, wäre ja dumm und fahrlässig, wenn er die Einzahlungen nicht ab sofort einstellen würde.
Aber gemach, das zu ändern wäre für den Gesetzgeber eine leichte Übung. Denn dieser kann gesetzlich regeln, welche Einkünfte auf das Einkommen angerechnet werden müssen.
So hat er vorbildlich geregelt, dass folgende Leistungen bei Transferbeziehern nicht auf das Einkommen angerechnet und somit auch nicht abgezogen werden: z.B. bei Blindengeld,
bei Renten nach Entschädigungsgesetz Behinderte ( Contergan) ,
bei Renten für Opfer von Gewalttaten der Nationalsozialisten ( z.B. Zwangssterilisation),
bei Grundrenten der Kriegsopfer und nach dem Lastenausgleichsgesetz,
bei Erziehungsgeld ( heute Elterngeld 1 Jahr für Transferleistungsbezieher)
Ich denke, nur so geht es. Es kann nicht angehen, das ausgerechnet bei den Ärmsten der Armen, nämlich denen, die auf Unterstützung des Staates angewiesen sind, die Leistungen aus der Riester-Rente und vom Kindergeld als Einkommen angerechnet werden und sich somit an der Höhe der Grundsicherung oder des ALGII bzw. Sozialhilfe nie etwas ändern kann.
Aachen, den 13.1.2008
|